Interview

1. Platz: Darmstädter entdecken Bio-Hack für MS-Diagnosen

Kurz vor dem Weihnachtsfest kommt aus Rhein-Main eine gute Nachricht für Multiple Sklerose-Erkrankte: Bei einem Bio-Hackathon in Darmstadt hat das Team vom Lab³ einen erfolgsversprechenden Ansatz vorgestellt, wie man MS-Schübe besser feststellen und vorhersagen kann. Und zwar ganz leicht zuhause mit dem Smartphone. Dafür gab es letzte Woche ein Preisgeld von 10,000 Euro

Das Lab³ e.V. (=Labspace) könnt ihr bald auf unserer Maker Faire in Darmstadt treffen. Christian Hein vom Gewinner-Team erklärt uns, wie mit der Idee Schübe bei MS frühzeitig erkannt werden können und was das für die Betroffenen bedeutet:

 

Christian, was war eure Challenge im Wettbewerb?

Wir sind im Bereich Bio-Sensing angetreten. Ein gutes Beispiel für erfolgreiches Bio-Sensing ist etwa ein Atemgasanalysemeßgerät mit dem Asthma-Patienten von zuhause aus den Entzündungsstatus ihrer Lunge messen können.

Und was konkret war eure Gewinner-Idee?

Wir haben uns die Diagnose von Multipler Sklerose (MS) vorgenommen. Zur Messung haben wir die VEP-Methode verwendet und unsere Sensoren an ein Smartphone gekoppelt. Dazu haben wir dann noch eine Software geschrieben, welche die Daten auswertet.

Klingt ja spannend, aber was bedeutet das für MS-Erkrankte?

Durch die Entwicklung dieser Technologie können MS-Schübe – nach einer klinischen Validierung – schneller erkannt werden. Das ist besonders wichtig, da die Symptome eines MS-Schubs häufig erst zeitlich versetzt bemerkbar werden.


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Wie seid ihr bei der Entwicklung vorgegangen?

Die Idee einen Device zu entwickeln, den die Betroffenen zu Hause oder bei stationären Aufenthalten im Bett nutzen können, also am Point of Care, schien uns ein guter Ansatz. Die Entwicklung des Bio-Sensing Ansatzes war dann der schwierige Teil. Beim Zusammensetzen unseres Prototyps VED4MS haben wir das EEG in ein 3D gedrucktes Gehäuse untergebracht und die Elektroden mittels 3D gedruckten Teilen am Prototyp befestigt.

Was glaubst du, waren eure Erfolgsfaktoren, um den Wettbewerb zu gewinnen?

Die drei Wochen des Makerthons waren für uns acht doch recht anstrengend – wir haben uns diverse Nächte und eigentlich alle Wochenenden um die Ohren geschlagen. Dabei war es essentiell, dass wir mit einem fachlich sehr diversen Team angetreten sind. Wir hatten also Fachleute für Softwareentwicklung, IoT, Rapid Prototyping, Biosensorik, Biotechnologie, User Experience und Design mit an Bord und konnten so die Probleme aus mehreren Perspektiven erfassen und lösen. Aber bevor wir mit der Entwicklung angefangen haben, ging es zunächst darum, umfassend zu recherchieren. Wir haben mit Betroffenen, Ärzten und Fachzirkeln gesprochen.

Und wie geht es jetzt weiter?

Wir haben…


Herzlichen Glückwunsch an das Sieger-Team des Lab³ in Darmstadt!

  • Andreas Schaefer (App Entwicklung, Prototyping)
  • Christian Hein (Projektleitung, Prototyping, CAD Konstruktion, Web Applikation)
  • Jörn Becker (Wissenschaftliche Recherche)
  • Angelika Kern (Interview Fragebögen und Usebility)
  • Nils Henze (Wissenschaftliche Recherche, Interviews)
  • Lisa Hofstädter (Design und Präsentation)
  • Adam Siwy (Marketing, Präsentation)

… noch keine Entscheidung getroffen, stehen aber in Verhandlungen und überlegen, wie wir idealerweise weitermachen können. Die 10.000 Euro Preisgeld fließen zunächst an den Verein Lab³, um das Projekt weiter zu führen und zusätzliche Gerätschaften für den Verein zu kaufen.

Ihr wart ja schon mehrfach mit dem Lab³ auf unseren Maker Messen. Auch bei unserer Maker Faire in Darmstadt seid ihr wieder dabei. Was ist das Ziel vom Lab³?

Lab³ („Lab hoch 3“, also Labspace) ist ein gemeinnütziger Verein in Darmstadt. Unsere Kernarbeit sind unsere Projekte und fachlichen Vorträge. Weiterhin wollen wir offene und freie Labore für interessierte Hacker, Maker, Schüler, Studenten und Startups schaffen. Wir setzen auf Interdisziplinarität in den Bereichen Biologie, Chemie, Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik. Unsere Fachabteilungen sind in die Teilbereiche Formalwissenschaften, Technik, Unbelebte und Belebte Naturwissenschaften gegliedert. Bei uns in den Räumen im Co-Working Hub 31 in Darmstadt gibt es neben 3D-Druckern, CNC-Fräsen, einen Lasercutter, 3D-Scanner, einen Hochleistungsserver und alles andere, was man in einem gängigen Labor braucht.

Und wie kann man bei euch mitmachen?

Wir treffen uns zwei Mal pro Woche in unseren Räumen in Darmstadt und arbeiten gemeinsam an Projekten. Die Teilnahme ist offen für jeden, der Vereinsmitglied wird – der Monatsbeitrag liegt bei 10 Euro. Wir freuen uns über Interessierte – alle weiteren Infos zum Verein sind hier zu finden.

 

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