Der Krypto-Euro ist nicht mehr weit weg

Update: Der Artikel enthält nun die Antwort der EZB.

Hessen und die Blockchain

Der Bitcoin ist weiter im freien Fall – trotzdem haben am gestrigen Donnerstag ganze 80 Beteiligte an der Frankfurt School eine neue Plattform gegründete, um Rhein-Main als Silicon Valley der weltweiten Blockchain-Szene zu etablieren. Mit dabei waren Vertreter namhafter Unternehmen wie Commerzbank und DB Systel. Auch innovative Blockchain-Startups aus Rhein-Main wie Cashlink, Vreo und die Blockchain Helix sind Teil der Gruppe. Und natürlich auch wir von der MAKE Europe.

Der Name der neuen Gruppe ist etwas sperrig: die Landesgruppe Hessen im Blockchain Bundesverbandes. Nennen wir die Plattform also lieber kurz den “Landesblock” Hessen, der im immer einflussreicher werdenden aber erst Mitte 2017 gegründeten Bundesblock unser Land vertreten soll.

Trotz des lauten Platzens der Krypto-Blase, ist das Interesse an der Blockchain insbesondere in Hessen steigend. Viele Gründungsmitglieder des Landesblocks sprechen von einer bevorstehenden Revolution in fast allen Wirtschaftsbereichen, die für das Land wichtig sind: Banken und Versicherungen, Mobilität und Logistik, Chemie und Pharma – die Liste ließe sich fortsetzen. Auch der Krypto-Euro war Thema.

Das WWW ist im Vergleich zur Blockchain halt so 90er

Es fühlt sich ein bisschen so an, wie damals als in den 90er Jahren das Internet beziehungsweise das World Wide Web aufkam. Alle sprachen plötzlich drüber, aber kaum einer hatte einen Internet-Anschluss. Auch die Blockchain-Technologie könnte sich so entwickeln. Manche sprechen sogar davon, dass die Blockchain sowas ist wie die Zivilisierung des Internets. Tatsächlich gibt es schon eine Reihe von Projekten, die ganze Städte und Inseln nur auf Grundlage der Blockchain-Technologie neubauen wollen. Theoretisch ist das möglich, denn die Blockchain kann, wenn man sie richtig einsetzt, unbestechliches Vertrauen zwischen Unbekannten herstellen. Auch zwischen Staat und Bürgern.

“Alles was mit Registern zu tun hat, ist grundsätzlich Blockchain-tauglich. Das gilt für Grundbücher wie für Aktien-Depots. Eines der höheren Ziele ist es natürlich, auch die Verwaltung zu verbessern”, sagte Prof. Philipp Sandner, der das Blockchain Center der Frankfurt School leitet, bei der Gründung des Landesblocks.

Weil Vertrauen in eigentlich allen Bereichen des Zusammenlebens eine Rolle spielt, ist die Herausforderung der Blockchain-Technologie nahezu allumfassend. Insbesondere unsere Wirtschaft in Rhein-Main kann profitieren. Deshalb ist es ein klares Ziel des Landesblocks, sicherzustellen, dass Hessen den Zug nicht wieder verpasst.  

Kommt bald der Krypto-Euro?

Wichtigster Use Case der Blockchain ist bislang aber immer noch die Schöpfung von Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether, Monero, Steem, Dogecoin und soweiter. Das elektrisiert natürlich besonders in Frankfurt, dem Sitz der Europäischen Zentralbank.

Wie man auf der Gründungsveranstaltung hörte, sprechen Experten-Gruppen der EZB sogar schon über den Krypto-Euro. Es könne noch fünf oder zehn Jahre dauern, sagte man. Wir wollen diese Gespräche nicht stören und verzichten daher hier auf Namensnennung.

Aber wir haben gleich mal bei der EZB angefragt: Das gut 200 Leute starke Kommunikationsteam (kein Scherz!) der EZB, hat sich leider auf unsere kleine Anfrage zum Krypto-Euro per Email noch nicht gemeldet. (Was die wohl wieder Wichtigeres zu tun hatten?)

Update – Die EZB hat folgendes geantwortet: “Wie alle Zentralbanken in der heutigen Welt, untersuchen wir die Krypto-Welt, geben aber keine Details heraus.”

Unwahrscheinlich sind die Gedankenspiele zum Krypto-Euro trotzdem nicht – denn die EZB würde sich damit in Europa hinter der Schwedischen Zentralbank einreihen, die Pläne für eine e-Krone hat. Schon 2019 will die Riksbank einen Pilotversuch für die volldigitale Blockchain-Währung wagen. Allerdings nutzen die Schweden schon heute kaum noch Bargeld. Überall in Schweden verschwinden langsam die Geldautomaten.

Erst vor kurzem hat auch Christine Lagarde, die frühere französische Finanzministerin und heutige Chefin des Internationalen Währungsfonds, Zentralbanken ermutigt digitale Währungen in Umlauf zu bringen: “Ich glaube fest daran, dass wir die Option digitaler Währungen ins Auge fassen sollten”, sagte sie auf einer Fintech-Veranstaltung in Singapur.

Technisch wäre der Krypto-Euro schon heute kein Problem. Im Grunde kann das sogar jeder von Zuhause: Mithilfe der Ethereum-Blockchain, einer Weiterentwicklung der Bitcoin-Idee, kann man, zum Beispiel auf dieser Seite, seine eigene Kryptowährung entwickeln und um die ganze Welt schicken.

Die MAKE hatte ihre eigene “Währung” schon 2015

Natürlich hat die MAKE Rhein-Main das auch ausprobiert: Schon 2015 haben wir auf einer unserer Bastler-Messen unsere eigene Kryptowährung in Umlauf gebracht. Allerdings haben wir sie erstens verschenkt und zweitens nicht für echte Zahlungen benutzt, sondern damit gespielt. Und das macht einen wichtigen Unterschied: Denn in Deutschland braucht man für die Inverkehrsbringung einer digitalen Währung eine Banklizenz.

Andernfalls kann es für die Schaffung des eigenen e-Geldes bis zu 5 Jahre Haft setzen!

Wer trotzdem Pläne hat, seine eigene Kryptowährung zu erfinden, sollte zumindest diesen Schnell-Test machen, um den rechtlichen Unterschied zwischen Bonus-Punkten wie Payback und riskanten e-Geld-Geschäften besser zu verstehen.

Wer weitere Tipps braucht, kann sich gern bei mir melden – am besten unten einfach kommentieren.

Übrigens: Viele von euch haben auch schon selbst mit der Ethereum-Blockchain interagiert – zumindest, wenn ihr euch 2018 online ein Ticket für unsere MAKE in Frankfurt gekauft habt.

Als Datenbank für das Ticketing hatten wir die Blockchain verwendet und es euch ermöglicht, dass trotzdem mit gängigen Zahlungsmitteln zu zahlen. Die Daten der Ticketkäufer haben wir allerdings nicht auf die Blockchain geschrieben, denn dann wären sie im Prinzip jedem auf der Welt zugänglich und zwar für immer. Ein Albtraum für Datenschützer also. Nur die Ticketnummer wurde über unsere Ethereum-basierte Datenbank registriert.

Über die MAKE Europe GmbH haben wir also, als erste in Deutschland tatsächlich Eintrittskarten, verkauft. Insgesamt in einem Ticketvolumen von mehr als 10,000 Euro. Vorgestellt haben wir das Projekt im Ethereum Central Germany MeetUp, das wir euch sehr empfehlen können.

Blockchain meets IOT – am 23. Februar in Darmstadt

Mit der Blockchain sollen in Zukunft Elektro-Autos selbstständig Strom tanken können. Natürlich könnten auch Bahn-, Flug- und Fußball-Tickets darüber abgewickelt werden, damit leichter weiterverkauft oder umgetauscht werden können. Blockchain könnte Stadtverwaltungen und Grundbucheinträge sicher digitalisieren oder Auslandsüberweisungen günstiger und besser machen. Cashlink, die im FinTech Hub der Deutschen Börse im Frankfurter Sandweg sitzen, wollen damit Investitionen in Startups erleichtern.

Aus unserer Sicht hat die Digitalisierung unseres Lebens gerade erst angefangen. Wir wollen helfen, das Internet zu zivilisieren. Deshalb haben wir für unsere Maker Faire Darmstadt, die am 23. Februar 2019 an der h_da stattfindet, ein besonderes Motto gewählt: “Blockchain meet IOT”. Informiert euch hier.

Die Arbeit des Landesblocks Hessen ist auch deswegen so wichtig, damit Hessen jetzt die Weichen stellen kann. Sonst droht die Gefahr, dass viele Unternehmen den Trend verpassen – was viele Arbeitsplätze kosten wird: Banker, Notare und viele andere Mittelsmänner werden technologisch überholt. Aber am meisten trifft es immer die Kleinen.

Mit seinen vielen gut ausgebildeten und cleveren Bewohnern hat aber gerade Rhein-Main jetzt die Chance, hier für alle das Beste rauszuholen. Der Landesblock kann sich dafür zu einem wichtigen Forum für Politik, Zentralbanken und Wirtschaft entwickeln.

Foto: Andreas Varnhorn via ecb.int

Freitag neu: Abonniere jetzt unseren kostenlosen Nerdletter für Rhein-Main.
Dann verpasst du solche Neuigkeiten nie mehr.

 

Diskutiere mit: Wie findest du die Idee vom Krypto-Euro?

Related Posts

Leave a comment