6 Fragen an Blockchain-Helix Gründer Oliver Naegele

Oliver Naegele gehört zu den Pionieren der deutschen Blockchain-Szene. Seit einigen Jahren suchte er Geld, um unsere digitale Identität besser zu schützen. Seine Idee: Per Blockchain soll die Verwaltung unserer Zugangsberechtigungen zu digitalen Diensten sicherer und leichter werden.

Der passende Ansatz in einer Welt, in der wir alle immer mehr Datenspuren hinterlassen, ohne zu ahnen, was mit unseren Daten letzlich passiert – DSGVO hin oder her, per Blockchain wäre es möglich, dass wir wieder Herr (und Frau) unserer Daten werden.

Noch ist das alles Zukunftsmusik. Doch die Entwicklung solcher Lösungen hat diese Woche eine Geldspritze bekommen.

Darüber freut sich Olivers Unternehmen, die Blockchain Helix AG in der Münchnerstraße des Frankfurter Bahnhofsviertels: Wie jetzt bekannt wurde, investiert der FinLab EOS VC Fund einen siebenstelligen Betrag in die digitale Identitätslösung. Der dem Vernehmen nach rund 80 Millionen Euro schwere Risikokapitalgeber ist das europäische Vehikel von block.ONE, hinter dem wiederum bekannte Namen wie der ehemalige Google-Manager Eric Schmidt oder der bekannte Blockchain-Entwickler Dan Larimer stehen.

block.ONE hat 2018 Fahrt aufgenommen und will der Ethereum-Blockchain mit einer eigenen Lösung Wettbewerb machen: der EOS-Blockchain. Genau wie Ethereum lässt das EOS-Protokoll auch die Programmierung über eine Virtual Machine zu. Allerdings soll EOS günstiger und schneller als Ethereum sein oder zumindest werden. Mit dem Invest in die Frankfurter Blockchain Helix AG sichert sich EOS nun einen der prominentesten deutschen Unterstützer.

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Interview: Wir haben mit Oliver Naegele gesprochen:

Oliver, was ist euer Geschäftsmodell im Kern?

Jede sichere und vertrauenswürdige digitale Geschäftsbeziehung beinhaltet, dass man seinen Kunden oder Geschäftspartner kennt und dass deren Daten verifiziert sind. Unser Geschäftsmodell ist vertrauensvolle und überprüfte Kunden- oder Benutzerdaten bereitzustellen. Wir stellen die Echtheit dieser Daten sicher.

Ein Unternehmen hat beispielsweise Interesse an der Bestätigung einer Volljährigkeit für den Kauf von Zigaretten oder auch an vollständigem Onboarding bei einem Finanzinstitut. Da der Umfang dieser Abfragen sehr unterschiedlich ist, ist die Preisspanne für den Bezug dieser Services auch entsprechend abgestuft.

Für den Endverbraucher ist der Service in der Regel kostenfrei, bezahlt wird im Normalfall auf der Anbieterseite, die sowohl den größten Nutzen durch die Optimierung der Prozesse als auch den höchsten Gewinn an Geschwindigkeit, Sicherheit und Vertrauen hat. Darüber hinaus bieten wir beiden Zielgruppen neben der Identitäts-Lösung noch Signatur-, Dokumente- und Bezahldienste an.

Und was bedeutet das für jeden Einzelnen?

Jeder Einzelne wird grundsätzlich durch seine Digitale Identität ein Teil des Internets, das zunehmend durch Betrug und Identitätsdiebstahl korrumpiert ist. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dass personenbezogene Daten einerseits überprüft und verifiziert werden und dabei andererseits die Privatsphäre gewahrt bleibt.

Das Internet der Werte und der Transaktionen, in das wir uns hinbewegen, braucht eine Vertrauensbasis, die von jedem Einzelnen ausgeht. Durch eine selbstbestimmte Identität erhält jeder Einzelne eine Daten-Autonomie, die ihm das notwendige Vertrauen in digitale Geschäftsprozesse zurückgibt. Das ist die Vision meines Unternehmens und unseres Teams. Wir arbeiten täglich an der Umsetzung und diskutieren die Perspektiven einer Digitalen Identität auch in der Blockchain Community.

Wie weit sind wir damit in fünf Jahren?

Blockchain wird in 5 Jahren zwei elementare Probleme des heutigen Internets gelöst haben: Das sind zum einen die beliebige Kopierbarkeit und Teilbarkeit von Informationen, zum anderen die vorhandene Vertrauenslücke innerhalb digitaler Geschäftsbeziehungen. In 5 Jahren werden wir den “Lack of Trust” (Vertrauensmangel, Anm.) überwunden haben. Da Blockchain als Backend-Technologie eingesetzt wird, wird für den User keine Veränderung an der Oberfläche sichtbar sein, allerdings ein Zugewinn an Sicherheit und Vertrauen spürbar werden. Dabei spielt die vertrauensvolle Digitale Identität eine zentrale Rolle.

Ist Frankfurt dafür gut aufgestellt?

Frankfurt hat eine gut vernetzte und stetig wachsende Blockchain-Community vorzuweisen. Viele Aktivitäten rund um Meetups, Blockchain-Labs und Community-Events sind in Frankfurt inzwischen etabliert und erfreuen sich großer Beliebtheit und reger Beteiligung. Wir selbst arbeiten mit Partnern aktiv daran, Frankfurt als zentralen Blockchainplatz auf die Landkarte zu bringen.

Wir organisieren seit 2016 das Blockchain Frankfurt Meetup mit aktuell über 2000 Mitgliedern. Wer Interesse hat, einen aktiven Part in der Blockchain-Community zu übernehmen, meldet sich einfach bei uns. Wir sind immer offen für neue Projekte und Kooperationen. Frankfurt befindet sich im Herzen Europas und ist als Logistikstandort eine internationale und weltoffene Stadt. Wir orientieren uns strategisch nicht ausschließlich an lokalen Faktoren, sondern waren von Beginn an international ausgerichtet. Unsere Partner sind auf der ganzen Welt verteilt.

Ihr seid kürzlich auch in das Programm von Startup Autobahn aufgenommen worden? Was bedeutet das konkret?

Das ist richtig. Seit März 2019 sind wir Teil des globalen Programms, das zu den größten und erfolgreichsten Innovationsplattformen in Europa gehört. Startup Autobahn besteht aus knapp 30 Industriepartnern. Die Gründungspartner sind Daimler, Plug and Play Tech Center, ARENA2036 und die Universität Stuttgart.

Sinn und Zweck der Innovationsplattform ist es, branchenführende Unternehmen und junge Technologie-Unternehmen zusammenzuführen, die in dem halbjährigen Programm zusammenarbeiten, um die mögliche Zusammenarbeit beider Parteien zu bewerten und ihre Technologie zu testen. Ziel ist dabei die erfolgreiche produktionsreife Implementierung.

Wie sieht eure Roadmap jetzt aus?

In 2019 konzentrieren wir uns stark auf die technologische Weiterentwicklung der helix id. Unsere Digital Identity (DI) Lösung ist sowohl einsetzbar im B2B als auch B2C Markt. Das bedeutet, dass wir im Corporate-Bereich eine vollständig integrierbare DI-Lösung anbieten und für den Consumer-Bereich eine Produkt-App entwickeln.

Auch kommunikativ haben wir 2019 einiges vor. Beispielsweise launchen wir Mitte Mai unsere Microsite für helix id. Wir stoßen unser Brand Building an und arbeiten am Corporate Design. Erste Schritte in diese Richtung werdet ihr bereits auf der Microsite sehen. Parallel produzieren wir informativen Content über HELIX ID in Form von Artikeln, aber auch Bewegtbild. Zudem wachsen wir und erweitern unser Team und Partnerschaften. Wir sind auf der Suche nach Menschen, die unsere Vision und Reise teilen, neue Perspektiven und individuellen Spirit in unser Team einbringen

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