“Frauen scheitern zu häufig am eigenen Lampenfieber”

  • Im Kern: Programmieren und Software-Entwicklung sind klare Männerdomänen. Jetzt wurde in Dresden eine für Anfang Oktober geplante, dreitägige PHP Developer Konferenz abgesagt. Und zwar für immer. Denn: Internationale Speaker hatten einen Shitstorm losgetreten, weil zu wenige Diversity Speaker im Programm waren. “White Guys” bestimmten schon zum 2. Mal das Line-up komplett. Frauen und andere Menschen, die Konferenzen bunt machen, fehlten völlig.
  • Die Frage: Viele in der PHP-Community beschäftigt der Vorfall ganz aktuell. Die Meinungen gehen weit auseinander. Die einen argumentieren, dass Psychologie-Studiengänge auch nicht wegen Frauenüberschuss geschlossen werden. Andere sagen, dass Frauen sich endlich auch im Tech-Bereich mehr (zu)trauen müssen. Laut Veranstalter hatte sich aus 250 Bewerbungen für Speaker Slots nur eine Frau beworben und deren Bewerbung war schlicht nicht gut genug.
  • Das Interview: Wir haben mit der IT-lerin Anna Domascan zum Thema gesprochen. Sie arbeitet als Integration Engineer in Frankfurt und ist einer der Köpfe bei den “Women Techmakers” in Frankfurt und Rhein-Main. Die haben mehr als 2.000 Mitglieder bei uns – darunter übrigens immer mehr Männer.

 

Anna, wie steht es um die Diversity im Tech-Bereich?

Ich denke mehr Diversität innerhalb der Tech-Welt wäre auf jeden Fall sinnvoll. Und das ist auch eines der Ziele, an denen wir als Women Techmakers hier in Frankfurt und Rhein-Main arbeiten.

Und findest du es richtig, wenn Konferenzen mangels Frauen und Diversity abgesagt werden?

Wenn’s jetzt darum geht, wer sich als Speaker bei einer Konferenz anmeldet, geht’s ja vor allem um die fachliche Expertise. Wenn sich nur Männer finden, ist es natürlich ein bisschen schade, dass zu wenige Frauen dabei sind – aber das ist noch kein Beinbruch. Solange die was Sinnvolles beizutragen haben.“

Was könnte Frauen gehindert haben, sich bei der PHP-Konferenz in Dresden anzumelden?

Aus meiner persönlichen Erfahrung: Viele Frauen scheuen sich häufig, auf Konferenzen zu sprechen. Dabei spielt es auch eine Rolle, dass zu öffentlichen Auftritten auch etwas Übung gehört. Und deswegen scheitern viele halt auch an ihrem eigenen Lampenfieber.


SHARING IS CARING!



Wodurch kann mehr Diversität erreicht werden?

Ich kann nur immer wieder sagen: Den Mut zu haben, das zu präsentieren, was man weiß und woran man arbeitet, kann eine sehr wertvolle Erfahrung sein – für einen selbst, aber genauso auch für die Community, weil sharing is caring!

Ich persönlich finde auch, dass eine gute Community davon lebt, dass jeder willkommen ist. Dann geht es auch nicht darum, welche Hautfarbe hast du, welche Religion habe ich und wie viel Expertise bringt man mit, aus welchem Land stamme ich oder wie gut spreche ich die Sprache: Wenn ich was zu sagen habe, dann soll ich die Möglichkeit haben, das zu tun.

Was kann noch getan werden, um Tech-Events bunter zu machen?

Je nach Konferenz, tritt ja auch immer wieder auf, dass Unternehmen nicht immer im gleichen Maße unterstützen. Schließlich kostet das alles Zeit und manchmal auch Geld. Ich kann nur immer wieder empfehlen, als Unternehmen und Manager auch seine Leute da rein zu pushen. Weil a) man erfährt mehr selbst b) man sammelt diese Expertise für interne Prozesse und c) man macht Promotion für die eigene Firma.

Liebe Anna, vielen Dank für das Gespräch!


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Comments (2)

Klar, Programmieren und Software-Entwicklung sind Bereiche die von Männern dominiert werden.
Das ist aber ein tiefgreifendes Problem, da es über Dekaden von der Gesellschaft “verpennt” wurde Mädchen schon frühzeitig in der Schule, auch für technische Themen zu begeistern. Das sich jetzt viele wundern warum auf Konferenzen meist nur männliche Speaker zu sehr speziellen Themen referieren ist an sich verwunderlich, denn es ist die logische Konsequenz der gelebten Realität. Den Artikel jetzt zu betiteln mit “Frauen und Lampenfieber”, find ich definitiv daneben.

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