Die gesündesten Drogen kommen aus Frankfurt

 

Quelle: Wirtschaftsförderung

Verschmitztes Schmunzeln und Getuschel im Römer: Bei der Verleihung des Frankfurter Gründerpreises belegt ausgerechnet ein Cannabis-Startup einen der vorderen Ränge. Damit ist es wohl offiziell: Die gesündesten Drogen kommen aus Frankfurt.

Genauer gesagt vom Startup Cansativa, das nun mit dem 3. Platz beim Frankfurter Gründerpreis (€7.500 Preisgeld) ausgezeichnet wurde. Die Brüder Jakob und Benedikt Sons haben sich früh um eine Lizenz bemüht, medizinisches Cannabis nach Deutschland zu importieren. Inzwischen erwirtschaften sie damit siebenstellige Umsätze und sind voll auf Wachstumskurs.

Ihr Naturprodukt enthält wenig THC, das aufs Gehirn wirkt und dafür viel CBD, das den Körper entspannt ohne den Geist allzu sehr zu verwirren – ein Segen vor allem für Schmerzpatienten. Was in vielen Ländern inzwischen normal ist, wird auch in Deutschland zunehmend akzeptiert.

Gute Sache, auch für den Autor dieses Artikels!

Durch eine rheumatische Erkrankung in meiner Kindheit bin ich seit 20 Jahren chronischer Schmerzpatient. Im Laufe der Jahre habe ich vieles ausprobiert und verschiedene Tipps bekommen, um mit meiner Erkrankung und den damit einhergehenden Schmerzen klar zu kommen.

Hier eine kurze Aufzählung, was ich alles erfolglos ausprobiert habe:

  • Ein Bad in Brennnesseln
  • schlafen mit einer Decke aus Katzenhaar über den Beinen
  • vollkommener Verzicht auf Schokolade
  • kalte Wickel
  • besonders scharf essen…..

Ihr seht, worauf ich hinaus will. 😉 Da ich keine – als illegal geltenden – Drogen konsumiere, habe ich mich lange Zeit nicht eingehend mit dem Thema Cannabis beschäftigt. Erst vor knapp 3 Jahren wurde ich von Mitpatienten auf die Wirkung von Cannabidiol (CBD) aufmerksam gemacht und habe es selbst, in Tropfenform, ausprobiert. Das Schöne ist, dass sie mir Tropfenform (inzwischen frei verfügbar) bereits helfen, die durch Fehlhaltung entstehende Verspannungen und die daraus folgenden Schmerzen zu verringern.

Das war ein Grund, warum ich mich besonders gefreut habe, die Brüder Sons beim Frankfurter Gründerpreis auf dem Treppchen zu sehen. Natürlich habe ich sie gleich gefragt, ob sie Zeit für ein Interview haben.

Cansativa im Interview

Hier findet ihr die Antworten der beiden auf die von mir gestellten Fragen.

Was sind die Vorteile für chronische Schmerzpatienten von Cannabis.

Jakob: Cannabis wird aufgrund der Wirkung auf das Endocannabinoid-System (das ist der Teil des menschlichen Nervensystems, auf den Cannabis wirkt, Anm. d. Red.) für die Behandlung eines breiten Spektrums an Indikationen eingesetzt. Anhand der Antragszahlen gesetzlicher Krankenkassen (2017-2018) und den Zahlen der Patienten mit Ausnahmeregelung (bis März 2017) für die Behandlung mit Cannabis (§ 3 Abs. 2 BtMG) zeigt sich, dass Cannabis vorrangig zur Behandlung von Schmerzen verschrieben wird.

Besonders vorteilhaft ist dabei die Verträglichkeit von Cannabis, in der Regel wenige Nebenwirkungen, die gute Kombination und parallel Verwendung mit anderen Medikamenten. Außerdem ist eine gute Dosierbarkeit und kurzfristige Wirkung durch Inhalation gegeben.

Kann Cannabis auch heilen?

Jakob: Hinsichtlich der Indikationen ist darauf hinzuweisen, dass cannabinoid-haltige Arzneimittel symptomatisch wirken und für sie bislang keine wissenschaftlichen Erkenntnisse hinsichtlich eines therapeutischen Nutzens für die Behandlung der jeweiligen Primärerkrankung vorliegen.

Es gibt nur wenig evidenzbasierte Forschung und zugelassene Fertigarzneimittel, daher ist ein enges Monitoring durch den behandelnden Arzt erforderlich. Cannabinoide werden oft erfolgreich in der Schmerztherapie als Add-On Therapie verwendet – dazu hat die Deutsche Gesellschaft für Schmerz eine Praxisleitlinie entwickelt. Wichtig ist, dass Cannabis kein Allheilmittel ist, sondern patientenindividuell wirkt und eingestellt werden muss. Es ist nicht für jeden Schmerzpatienten geeignet, kann aber im Einzelfall eine gute Therapieoption sein.

Was verbindet ihr persönlich mit dem Thema Cannabis?

Jakob: Uns sind das Wohl und eine optimale Patientenbehandlung besonders wichtig. Dies ist sicherlich geprägt durch unseren Vater, Hermann Sons, Chefarzt a.D. der Herz-Thorax-und Gefäßchirurgie: Er hat stets die Philosophie vertreten, dass der Patient und dessen Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen sollten – wenn schwer kranken Patienten die Cannabis-Therapie eine Hilfe ist, dann ist das unserer Auffassung nach eine gute Sache, für die man sich einsetzen kann.

Wie schwierig war es, die Genehmigungen zu bekommen?

Jakob: Die regulatorischen Hürden, die es zu nehmen galt, waren groß. Entsprechende Genehmigungen, die dem Arzneimittelgesetz (AMG) unterliegen, sind genauso notwendig wie Genehmigungen, die unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) fallen. Und wir machen alles selbst. Von Beginn an verfügen wir über ein eigenes Service- und Fulfillment-Center und planen gerade den Ausbau einer weiteren Betriebsstätte in Mörfelden.

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Habt ihr jemals selbst einen Joint geraucht und inhaliert?

Jakob: Wir leiden glücklicherweise beide nicht an einer Erkrankung, die uns auf Cannabis-Therapie angewiesen machen würde.

 

Benedikt Sons, Stadtrat Markus Frank und Jakob Sons (v.l.n.r.). Die beiden sind übrigens Anwälte.

 

Diese Woche seid ihr mit dem Gründerpreis der Stadt Frankfurt geehrt worden und habt gut abgeschnitten. Bei der Ehrung im Römer konnte sich Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) das Schmunzeln nicht verkneifen. Was bedeutet die Auszeichnung für euch?

Jakob: Es ist eine Ehre und es zeigt, dass der Stadt Frankfurt das Thema Gründung wichtig ist. Wir wissen aber auch, dass unser gutes Abschneiden ohne eine grandiose Teamleistung niemals möglich wäre. Dafür, dass wir mit so talentierten und motivierten jungen Menschen zusammenarbeiten können, sind wir sehr dankbar.

Was verbindet ihr mit der Stadt Frankfurt am Main?

Benedikt: Als ehemaliger Jugendspieler bei den Kassel Huskies war Frankfurt stets der große Rivale im Süden. Heute ist es für mich meine neue Heimat mit einem tollen Kulturangebot und herausragender Infrastruktur; ideal, um die eigene Firma zu gründen und zu skalieren.

Wie ist es für euch, mit eurem Bruder zusammenzuarbeiten?

Benedikt: Für uns war es schon immer ein Traum, eines Tages einmal zusammenzuarbeiten. Durch einen gemeinsamen Freundeskreis und viele gemeinsame Interessen stehen wir uns sehr nah. Für mich ist es die erfüllendste Form der Zusammenarbeit, die ich in meiner beruflichen Karriere bisher erleben durfte. Wir verstehen uns blind, schauen aber dennoch unterschiedlich auf die Dinge und es macht Spaß sich auch mal inhaltlich zu duellieren und zu argumentieren.

Was denkt ihr: Wird man in Zukunft in Deutschland Cannabis legal konsumieren können?

Jakob: Eine solche Prognose ist wirklich sehr schwer abzugeben. Es hängt zu viel von politischen Faktoren und der Interessenlagen der im Bund regierenden Parteien ab. Kurz- bis mittelfristig rechnen wir jedoch nicht mit einer völligen Legalisierung (ohne medizinische Indikation).

Wenn ja, wie wirkt sich das auf euer Geschäftsmodell aus?

Benedikt: Das ist für uns kein Thema. Wir fokussieren uns ausschließlich auf den pharmazeutischen, also medizinischen Cannabisbereich.

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