Wer Digitalisierung sagt, muss auch agil mitarbeiten

Digitalisierung ist inzwischen ein Buzz-Word in den deutschen Chefetagen. Allerdings gibt es ein Problem: Ohne agiles Arbeiten läuft die Entwicklung von Produkt-Features schnell aus dem Ruder. Laut einer aktuellen Studie von Citrix ist aber nur jedes 7. Unternehmen fit dafür und riskiert, sich bei der Digitalisierung zu vergallopieren.

“Nichts ist teurer für den Kunden als ein Projekt, das nie richtig aufgesetzt wurde und sich ewig dahinschleppt”, sagt Alex Hofmann, technischer Geschäftsführer beim IT-Spezialisten MaibornWolff.

MaibornWolff hat deswegen den Spieß umgedreht: Während es in anderen Branchen üblich ist, dass die Dienstleister ihre Leistungen dem Kunden schmackhaft machen, müssen neue Projekte bei MaibornWolff erstmal durch einen zweitägigen Pitch. Dabei wird geklärt, ob die Kundenvorstellungen überhaupt realistisch und agil umsetzbar sind.

Hilft das? Dazu haben wir Alex persönlich interviewt

Alex Hofmann, technischer Geschäftsführer bei MaibornWolff im Interview:

Alex, ihr entwickelt individuelle Software-Lösungen für große deutsche Konzerne. Allerdings nehmt ihr nicht jeden Auftrag an: Stattdessen müssen die Kunden bei euch ihre Projekte „pitchen“ – ähnlich wie Startups es tun, wenn sie Investoren suchen.

Die Kunden müssen also ihre Idee bei euch vorstellen und euch gewinnen. Ist der Markt für gute Entwickler wirklich derart leergefegt, dass ihr euch das leisten könnt?

Viele Unternehmen in Deutschland arbeiten intensiv an der Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategie. Deswegen werden natürlich gute Entwickler, Programmierer und Projektmanager überall gesucht. Aber das ist nicht der Grund, warum bei uns Projekte durch den Pitch-Prozess gehen.

Der Pitch ist wichtig, damit alle Seiten die Anforderungen des Projekts genau verstehen. Software-Entwicklung ist ein sehr komplexer Prozess. Deswegen ist auch der Kunden-Pitch so wichtig: Der Kunde wird sich zunächst darüber klar, was alles zu seinem Projekt gehört und was am Ende dabei rauskommen soll. Am Ende des Pitches steht eine aussagekräftige Bewertung der Projekt-Vision des Kunden. Im Prinzip prüfen wir mit dem Pitch-Prozess den Reifegrad der Idee für die anschließende agile Umsetzung. (Mehr dazu im Blog von Nic Behle.)

Mal ganz platt gesagt: „Mach‘ mal irgendwie so ein Feature oder bau mal etwas, Hauptsache agil“ gibt es so nicht mehr.


Am Dienstag 25. Juni 2019, kannst du in Frankfurt mit MaibornWolff über agiles Arbeiten und Feature Teams beim After Work diskutieren. Wenn du Interesse hast, schreibe einfach eine Mail an unseren Agility Max. Email: max(ä)make-europe.com


Und was hat das für Vorteile?

Wir stellen damit von Anfang an sicher, dass wir effizient und effektiv arbeiten. Das geht nur, wenn die Erwartungen und Anforderungen auf beiden Seiten klar sind. Dadurch lassen sich dann auch Termine und Preise sehr viel genauer schätzen. Eine agile Umsetzung wird damit festpreisfähig. Nichts ist teurer für den Kunden als ein Projekt, das nie richtig aufgesetzt wurde und sich ewig dahinschleppt.

Habt ihr denn auch schon Projekte abgelehnt?

Ja, das haben wir. Wenn wir das tun, dann ist das immer eine Entscheidung, die der Kunde mitträgt. Schließlich bewahrt es den Kunden davor, viel Geld und Zeit für ein Projekt aufzuwenden, das sehr wahrscheinlich aus dem Ruder läuft.

Wenn Kunden also bei uns ihre Projekte „pitchen“, dann haben immer beide Seiten etwas davon. Übrigens, deshalb ist so ein Pitch bei uns auch kostenlos für den Kunden.

Laufen in Deutschland viele Software-Projekte aus dem Ruder?

Zahlen habe ich keine, wären mal interessant. Mein Eindruck ist jedenfalls, dass viel „Jugend forscht“ am Markt betrieben wird. Auch Agile Methoden, wie die in der Software-Entwicklung beliebte Scrum-Methode, schützen eben nicht vor Misserfolg. Wenn man Scrum rückwärts liest, klingt es wie „Murks“.

Wer nachhaltig Erfolg haben will, sollte jedenfalls nicht kurzfristige Erträge über den Erfolg des Kunden stellen.

Was sind typische Fehler bei der Entwicklung von Software-Projekten?

Es fängt damit an, dass das Projekt-Team nicht ideal aufgesetzt wird. Ein sogenanntes Feature-Team, das allein aus Entwicklern besteht, ist etwa ein typischer Fehler. Selbst wenn agile Methoden wie Scrum eingesetzt werden, fehlt es häufig an einer fundierten Business Analyse und beim Projekt- und Stakeholder-Management. Außerdem muss der Kontakt zum Kunden ständig aufrecht gehalten werden. Wir stellen das sicher, indem wir mit unseren Kunden gemeinsam im Feature-Team entwickeln.

Die Kommunikation mit dem Kunden wird also ständig aufrecht gehalten?

Tatsächlich setzen wir voraus, dass der Kunde regelmäßig mit festen Ansprechpartnern bei uns ist.

Und das machen die Kunden echt mit?

Unsere Kunden lieben es – endlich mal Zeit, inhaltlich zu arbeiten und sich zu fokussieren. Raus aus dem „Konzern-Hamsterrad“. Es hat den Vorteil, dass die Lösungen schneller fertig werden, weniger kosten und am Markt größere Erfolgschancen haben. Das sind überzeugende Argumente für die Kunden. Übrigens, die Pilotanwender sind alle 2 Wochen im Sprintwechsel dabei und testen „Hands-On“ den aktuellen Entwicklungsstand.

Den Projektablauf zeigen wir übrigens auch in diesem Video.

Wie ist der Kunde dann bei euch genau eingebunden?

Wir arbeiten in sogenannten Feature-Teams zusammen. Wie bei einer Fußball-Mannschaft, sind unterschiedliche Rollen passend besetzt. Etwa die Hälfte des Teams besteht dann aus Entwicklern. Rund 30 Prozent sind Business Analysten, die einen Gesamtblick auf das Produkt haben und die Fachlichkeit „kneten“. Die restlichen 20 Prozent sind Ressourcen für das Testen, die Projektleitung und den Support. In Summe besteht so ein Feature-Team aus 10 bis 12 Leuten.

Die Mitarbeiter auf Kundenseite sind in diese Feature-Teams und Sprints mit eingebunden. So stellen wir einen intensiven Kontakt sicher, der zu einem schnelleren Projekterfolg führt.

Interessant. Aber welche Rolle fällt dem Projektleiter zu, wenn es doch schon einen Scrum-Master gibt?

Projektleiter werden leider häufig vergessen. Die klassischen Projektleiterthemen, wie Controlling, Reporting, Budgetplanung, Stakeholder Management sind ja nicht plötzlich weg, nur weil man agil arbeitet. Außerdem gibt es oft eine Schnittstelle des agil arbeitenden Feature-Teams in eine nicht agile Bestandswelt beim Kunden. Diese Schnittstelle hat bei uns die Rolle des Projektleiters im Auge. Grob kann man sagen, dass der Scrum Master „nach innen“ dafür sorgt, dass der Scrum Prozess sauber läuft. Der Projektleiter hat in seiner Rolle eher eine Sicht „nach außen“ in die Organisation des Kunden.

Am Dienstag, 25. Juni 2019, wollt ihr Feature Teams bei einem After Work in Frankfurt diskutieren. Das Motto des Abends lautet „Agile Feature Teams. Groß und kompliziert – oder die Zukunft der IT?“. An wen richtet sich dieser Event?

An alle Freunde der agilen Software-Entwicklung. Wir wollen mit maximal 20 Gästen – damit es handlebar bleibt – intensiv diskutieren. Wir stellen dabei Erfahrungen vor, die wir in unseren agilen Festpreisprojekten (etwa bei BMW) gesammelt. Dabei bleiben wir gewohnt offen für die Anliegen und Fragen der Gäste. Wir bringen drei kurze Inputs à zehn Minuten ein und dann haben wir ausreichend Zeit für eine inhaltliche Diskussion.

Das Treffen ist kostenlos und kein Vortrags- oder Konferenz-Event, sondern ein fachlicher Austausch zum Lernen – im kleinen, vertraulichen Rahmen unter Praktikern. Wir haben eine schöne Location mitten in Frankfurt ausgesucht und natürlich gibt es auch Essen und Getränke für das anschließende Networking.

Für die Community von MAKE rhein-main stellen wir 5 Plätze zur Verfügung.


Am Dienstag 25. Juni 2019, kannst du in Frankfurt mit MaibornWolff über agiles Arbeiten und Feature Teams beim After Work diskutieren. Wenn du Interesse hast, schreibe einfach eine Mail an unseren Agility Max. Email: max(ä)make-europe.com


 

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