
Frankfurt am Main — Mit dem Monat September ist in dieser Woche im Frankfurter Nordwestzentrum auch ein ungewöhnlicher neuer Lernort gestartet. Tumo?
Wo man eher Geschäfte, Gastronomie und einen Elektronikmarkt erwarten würde, stehen nun lange Tischreihen, zahlreiche frische MacBooks und Jugendliche, die sich mit Programmierung, Gestaltung und Denksport beschäftigen.
Wir waren während der ersten Betriebstage bei TUMO Frankfurt vor Ort. Noch wird an vielen Stellen aufgebaut und gewerkelt. Doch schon jetzt lässt sich erkennen, welche Dimension das neue Lernzentrum einmal haben wird.
Zwei Turnhallen voller Ideen
Schon der Ort überrascht: TUMO befindet sich nicht auf einem klassischen Schulcampus, sondern mitten im Nordwestzentrum – dem „Nordi“ – in der Frankfurter Nordweststadt.
Die riesige Fläche wirkt wie zwei übereinandergestapelte Turnhallen für Denksport.
Zwei offene Etagen bieten viel Platz zum Lernen, Experimentieren und gemeinsamen Arbeiten. In der Mitte verbindet eine breite Sitzlandschaft die Ebenen miteinander. Sie erinnert an eine Mischung aus Aula, Tribüne und kleinem Veranstaltungsraum.
Noch ist nicht alles fertig. Zwischen den neuen Arbeitsplätzen wird weiter eingerichtet und gebaut. Gerade das macht die Aufnahmen vom ersten Tag interessant: Sie zeigen keinen fertig inszenierten Bildungsort, sondern ein großes Projekt beim tatsächlichen Start.

Keine Schule – und auch kein gewöhnlicher Computerkurs
TUMO ist ein kostenfreies außerschulisches Lernangebot für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren. Sie kommen zweimal pro Woche für jeweils zwei Stunden ins Zentrum und stellen sich ihren Lernweg nach den eigenen Interessen zusammen.
Dabei können sie zwischen acht Lernfeldern wählen: Animation, Programmieren, Game Development, Filmproduktion, Grafikdesign, Robotics, Musikproduktion und 3D-Modellierung.
Statt Frontalunterricht und Noten setzt TUMO auf eine Kombination aus selbstständigem Lernen, Workshops und sogenannten Learning Labs. Coaches begleiten die Jugendlichen, während Fachleute aus Technologie und Kreativwirtschaft einzelne Themen vertiefen.
Wer beispielsweise ein eigenes Computerspiel entwickeln möchte, beschäftigt sich nicht nur mit Programmierung. Auch Grafik, Musik, Storytelling und 3D-Design können Teil des persönlichen Lernpfads werden. Am Ende steht kein gewöhnliches Zeugnis, sondern ein Portfolio mit selbst entwickelten Projekten.
Von der Volkshochschule betrieben – aber mit eigenem Konzept
TUMO Frankfurt ist keine neue Schule und auch kein klassischer Volkshochschulkurs. Betreiberin des Zentrums ist allerdings die Volkshochschule Frankfurt am Main.
Das Lernmodell selbst stammt aus Armenien. Dort eröffnete 2011 im Tumanyan Park in Jerewan das erste TUMO-Zentrum. Inzwischen wird das Konzept in zahlreichen Ländern eingesetzt. Frankfurt erhält nun einen eigenen Standort mit viel Raum und einer für ein öffentliches Bildungsangebot bemerkenswert hochwertigen technischen Ausstattung.

Vom ersten Betriebstag zu mehr als 1.000 Plätzen
Zum Start ist zunächst Platz für rund 300 Jugendliche pro Woche vorgesehen. Nach und nach soll TUMO Frankfurt auf mehr als 1.000 Plätze wachsen. Der Einstieg ist laut TUMO jederzeit möglich und das gesamte Angebot bleibt für die Jugendlichen kostenfrei.
Bis das Zentrum seine volle Größe erreicht, wird es noch etwas dauern. An Tag 1 ist manches bereits beeindruckend fertig, anderes sichtbar im Aufbau. Aber genau darin liegt der Reiz: In einem Einkaufszentrum im Frankfurter Nordwesten entsteht gerade eine riesige Turnhalle für Denksport – und die ersten Jugendlichen haben bereits angefangen.
